Frozen Shoulder – Mehr als nur ein „eingefrorenes“ Gelenk
Die sogenannte Frozen Shoulder – medizinisch Adhäsive Kapsulitis – ist für viele Betroffene ein frustrierendes Krankheitsbild. Plötzlich wird jede Armbewegung zur Qual, nächtliche Schmerzen rauben den Schlaf und selbst alltägliche Dinge wie das Anziehen oder Haarewaschen werden mühsam. Was aber oft nicht gesehen wird – Der Weg dorthin ist selten „plötzlich“ – vielmehr ist die Frozen Shoulder häufig das Ergebnis eines schleichenden Prozesses, der stark mit Bewegungsmangel und muskulären Ungleichgewichten zusammenhängt.
Was ist eine Frozen Shoulder eigentlich genau?
Trotz ihres bekannten Namens ist die Frozen Shoulder kein klar definierter medizinischer Zustand mit eindeutigen Laborwerten oder typischen MRT-Bildern. Vielmehr handelt es sich um ein klinisches Syndrom, das durch folgende Merkmale gekennzeichnet ist:
- Schmerzen (vor allem nachts und in Ruhe)
- Deutlich eingeschränkte Beweglichkeit (aktiv und passiv)
Langsamer Verlauf in typischen Phasen: - Schmerzphase (3–9 Monate)
- Einsteifungsphase (4–12 Monate)
- Auftauphase (6–24 Monate)
In bildgebenden Verfahren ist oft nichts Spezifisches zu sehen – außer gelegentlich einer verdickten, geschrumpften Gelenkkapsel.
Ein Krankheitsbild ohne klare Definition?
Tatsächlich wirkt die Frozen Shoulder in der medizinischen Praxis oft wie ein „Auffangbecken“ für alle Fälle, in denen die Schulterbeweglichkeit stark eingeschränkt ist, ohne dass eine strukturelle Ursache wie ein Riss oder eine Arthrose vorliegt. Viele Fachleute sehen in ihr eher einen gemeinsamen Endpunkt verschiedener Prozesse – etwa nach einer Verletzung, Operation oder bei chronischer Überlastung.
Muskuläre Dysbalancen – oft der unterschätzte Mitverursacher
Ein Aspekt, der in der Diskussion über die Frozen Shoulder häufig übersehen wird, ist die Bedeutung von muskulären Dysbalancen. Während die Erkrankung selbst in der Kapsel lokalisiert ist, spielt das muskelgeführte Gleichgewicht der Schulter eine zentrale Rolle in der Entstehung und im Verlauf.
Was passiert bei einer Dysbalance?
Diese Mechanismen führen langfristig zu einem Bewegungsverlust, der oft fälschlich als „plötzliches Einfrieren“ interpretiert wird.
Bewegungsmangel – die stille Ursache hinter vielen Schulterschmerzen
Bewegung ist für das Schultergelenk – das beweglichste Gelenk unseres Körpers – absolut essenziell. Wird es nicht regelmäßig in alle Richtungen bewegt, drohen:
- Verkürzungen von Kapsel und Sehnen
- Verringerte Gelenkschmierung
- Muskelabbau und verminderte Kontrolle
- Entzündliche Veränderungen, z. B. durch Mikroverletzungen
Besonders gefährdet sind Menschen mit:
- Sitzender Lebensweise (z. B. Büroarbeit)
- Einseitigen Belastungen (z. B. bei bestimmten Berufen oder Sportarten)
- Bewegungsverlust nach Verletzungen, wenn keine gezielte Reha erfolgt
Wie erkennt man eine echte Frozen Shoulder?
In der Praxis spielen funktionelle Tests eine wichtige Rolle bei der Abgrenzung gegenüber anderen Schultererkrankungen:
Typische Tests:
Im Gegensatz zu z. B. einem Impingement oder einer Rotatorenmanschettenläsion ist die Bewegung sowohl aktiv als auch passiv eingeschränkt – ein klarer Hinweis auf die Kapsel als Problemzone.
Vom Bewegungsmangel zur Frozen Shoulder

Viele Fälle von Frozen Shoulder beginnen unauffällig: Etwas Verspannung, ein leichtes Ziehen, vielleicht eine kleine Schonhaltung. Die Schulter wird weniger bewegt – aus Schmerz, Bequemlichkeit oder Unsicherheit. Der Muskeltonus verändert sich, das Kapselgewebe verliert an Elastizität – und irgendwann ist die Beweglichkeit dauerhaft eingeschränkt.
Je länger dieser Zustand anhält, desto mehr verfestigen sich die Einschränkungen – bis die Schulter schließlich „eingefroren“ ist.
Wie lässt es sich verhindern?
Eine Frozen Shoulder heilt in der Regel von selbst wieder aus – aber das kann ein bis drei Jahre dauern, und nicht immer bleibt die Beweglichkeit vollständig erhalten.
Effektive Maßnahmen:
Fazit
Auch wenn die Frozen Shoulder ein medizinisch komplexes Krankheitsbild ist, zeigt sich bei genauem Hinsehen oft ein klarer Zusammenhang mit langfristigem Bewegungsmangel, fehlender Muskulatur und dysfunktionalen Bewegungsmustern.
Wer seine Schulter regelmäßig und bewusst bewegt, muskuläre Balance aufbaut und auf Fehlhaltungen achtet, hat gute Chancen, gar nicht erst in diesen Teufelskreis zu geraten. Und genau darin liegt die große Chance: Prävention durch Bewegung ist einfach, effektiv – und liegt ganz in deiner Hand.

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